Chronik

Unsere Sicht auf den Ablauf der Dinge

5. Mai 2014
Die Eltern der Hofherrn-Grundschule erhalten über die Schule ein Schreiben des Oberbürgermeisters Herrn Rentschler, in dem die Beschlussfindung des Gemeinderats zur Einrichtung von Ganztagsgrundschulen für den 30. April 2014 angekündigt wird. Auch die Hofherrn-Grundschule soll Ganztagsschule werden. Das Schreiben ist auf den 24. April 2014 datiert. Erhalten haben es die Eltern der Hofherrnschule erst im Mai 2014, also nachdem der Beschluss im Gemeinderat schon gefallen war.

8. Mai 2014
An der Hofherrnschule wird kurzfristig ein Infoabend für die Elternvertreter der Grundschule einberufen um über die Umwandlung zur Ganztagsschule zu informieren. In dieser und der folgenden Woche finden auch die Elternabende in den einzelnen Klassen statt.
Den Elternvertretern wird das geplante Zeitschema der Ganztagsschule vorgestellt (7:40 Uhr -15:40 Uhr, durch gebührenpflichtige Zusatzbausteine erweiterbar auf 7 Uhr – 17 Uhr).
Fragen zur Qualität der Betreuung und wer diese ausüben wird können nicht beantwortet werden, da weder die Schule noch die Stadt Aalen bisher ein pädagogisches Konzept vorgelegt haben.
Der Schulleiter informiert die Elternvertreter, dass der Hort an der Hofherrnschule nach einer Übergangsfrist von einem Jahr geschlossen werden wird. Der Hort wäre in jedem Falle geschlossen worden, auch wenn die Hofherrnschule sich nicht als Ganztagsschule beworben hätte. Diese Information erweist sich später als nicht zutreffend (siehe dazu auch Chronik, 14. Mai 2014).
Die Elternvertreter kritisieren, dass es keine Elternumfrage gegeben hat.
Elternvertreter fragen, warum der Brief des Oberbürgermeisters trotz der Datierung auf den 24. April 2014 erst nach der Gemeinderatssitzung verteilt wurde. Den Eltern sei damit die Möglichkeit des Protests im Gemeinderat genommen worden.
Die Elternvertreter werden diese teilweise falschen Informationen in den folgenden Elternabenden an die Elternschaft der Hofherrnschule weitergeben.

8. Mai – 14. Mai 2014
Auf den Elternabenden in den einzelnen Klassen geben die Elternvertreter diese Information an die Elternschaft weiter. Auch der Schulleiter ist bei vielen Elternabenden anwesend, stellt das Modell vor und gibt soweit möglich Auskunft.
Die Frage, ob in der Ganztagsschule Schulpflicht herrsche, beantwortet der Schulleiter in zumindest einer Klasse mit „nein“, aus verwaltungstechnischen Gründen werde jedoch eine flexible Abholzeit wie im Hort im Regelfall nicht möglich sein. Auch diese Auskunft erweist sich später als falsch: In der Ganztagsschule besteht Schulpflicht.

14. Mai 2014
Im Hort findet ein Infoabend statt. Neben den Horteltern sind auch die neuen Erstklässler-Eltern sowie einige Mitglieder des Gemeinderats anwesend, die sich ein Bild von der Lage machen wollen.
Geleitet wird der Infoabend vom Schulleiter der Hofherrnschule sowie von Vertretern des Rathauses, unter anderem vom Bürgermeister der Stadt Aalen, Herrn Fehrenbacher.
Der Schulleiter und Herr Fehrenbacher werden von den Eltern mit der Feststellung konfrontiert, dass die Information, der Hort hätte in keinem Falle erhalten bleiben können, nicht den Tatsachen entspräche.
Die Eltern zitieren aus der Information des Kultusministeriums zur Einführung der Ganztagsschule, nach der der Hort Bestandsschutz habe (ohne Frist) und nur im Falle der Einrichtung der Ganztagsschule nicht weiter vom Land gefördert würde. Für die Bewerbung zur Einrichtung der Ganztagsschule habe keine Notwendigkeit bestanden, da ja bereits eine Ganztagsbetreuung durch den Hort an der Hofherrnschule existiere, die zudem eine für alle sehr zufriedenstellende Qualität aufweise.
Der Schulleiter gibt an, von der Möglichkeit den Hort erhalten zu können, nicht gewusst zu haben. Es stellt sich heraus, dass auch die Schulkonferenz vor der Beschlussfindung über die Einrichtung der Ganztagsschule falsch informiert wurde. Einige Hort-Eltern zweifeln daraufhin die Gültigkeit des Schulkonferenzbeschlusses zur Einrichtung der Ganztagsschule an.
Die Eltern kritisieren das Fehlen eines pädagogischen Konzepts für die Ganztagsschule, dieses sei laut Richtlinie eigentlich Voraussetzung für die Bewerbung gewesen.
Weiter wird die fehlende Zusage für feste Betreuungs- und Bezugspersonen in der Ganztagsschule kritisiert. Täglich wechselnde Aufsichtspersonen seien keine angemessene Betreuung für Grundschulkinder. Sorge bereitet u.a. die Betreuungssituation während des Mittagessens.
Die Eltern nehmen weiter Anstoß an der fehlenden Flexibilität der geplanten Ganztagsschule: Eine Nachfrage beim Kultusministerium hatte – entgegen der Angaben des Schulleiters- ergeben, dass während des gesamten Ganztagsbetriebs Schulpflicht besteht.
Für Eltern, die nicht täglich ganztags arbeiten, ist es also nicht möglich das Kind flexibel zu bringen oder abzuholen. Auch die Teilnahme an Aktivitäten im Sportverein oder in der Musikschule, sowie die Teilnahme an Kindergeburtstagen und Einladungen würde damit erheblich erschwert, wenn nicht gar unmöglich.

Insgesamt erscheint der überwiegenden Mehrheit der Hort-Eltern das vorgestellte Modell der Ganztagsschule an den Bedürfnissen moderner Familien vorbeigeplant. Ziel müsse es sein, Familienleben und Beruf vereinbar zu machen. Durch die Ganztagsschule wäre zwar die Möglichkeit, eine Berufstätigkeit auszuüben, gegeben, jedoch nur unter erheblicher Einschränkung des Familienlebens sowie des außerschulischen Soziallebens der Kinder.
Dies sei besonders für Alleinerziehende mit unregelmäßigen Arbeitszeiten eine schwerwiegende Qualitätseinbuße.
Die Eltern äußern Unverständnis, dass ein sehr gut funktionierendes und hochqualitatives Betreuungssystem wie der Hort ohne Not (s. oben) überstürzt abgeschafft werden soll. Sie fordern, dass erst ein pädagogisches Konzept ausgearbeitet werden solle und verbindliche Zusagen über Organisation, Ablauf und Qualität der Betreuung gemacht werden müssten.

Der Schulleiter der Hofherrnschule bietet daraufhin an, die Bewerbung auf Einrichtung der Ganztagsschule zum kommenden Schuljahr zurückzuziehen. (Dieses Angebot wird später nicht eingelöst, siehe Chronik, 3. Juni 2014.) Es wird angekündigt, eine Arbeitsgruppe aus Eltern, Schulleitung und Vertretern der Stadt (unter anderem Herrn Fehrenbacher) zu bilden, die gemeinsam einen Infoabend für die Eltern der Hofherrnschule sowie eine Bedarfsabfrage vorbereiten soll.

3. Juni 2014
Das erste Treffen der Arbeitsgruppe findet statt. Auch der Oberbürgermeister Herr Rentschler kommt hinzu.
Zu einer Planung des Elternabends und der Bedarfsabfrage kommt es nicht.
Das Angebot auf Zurückziehung des Antrages auf Ganztagsschule zum kommenden Schuljahr durch den Schulleiter wird nicht eingelöst.
Angekündigt wird für die Hofherrnschule ein Zwei-Säulen-Modell, in dem der Hort zunächst als Parallelstruktur erhalten bleiben soll. Allerdings soll die Kapazität des Hortes erheblich auf 25 Plätze verringert werden (d.h., dass in den nächsten Jahren keine neuen Kinder in den Hort aufgenommen werden können). Auch soll es zu einer Erhöhung der Elternbeiträge kommen.
Es wird die Einrichtung einer neuen Arbeitsgruppe angekündigt, die Eltern können dafür drei Elternvertreter benennen.
Bei den Eltern entsteht insgesamt der Eindruck, dass Kritik sowie das Formulieren von Bedürfnissen und Bedenken seitens der Familien in diesem Schulentwicklungsprozess nicht willkommen sind.
Lesen Sie auch, wie das Thema in der Presse diskutiert wird.

6. Juni 2014 (letzter Schultag vor den Pfingstferien)
Die Grundschüler der Hofherrnschule erhalten von der Schulleitung einen Fragebogen zur Einrichtung der Ganztagsschule.
Entgegen der Absprachen auf dem Infoabend im Hort und im Rathaus wurde der Umfragebogen nicht unter der Mitarbeit von Eltern entwickelt.
Im Anschreiben wird angegeben, dass der Hort an der Hofherrnschule als Parallelangebot erhalten bleiben soll. Als Wahlmöglichkeit kommt er dann weiter unten nicht vor.
Auf der Rückseite wird den Eltern ein zeitliches Modell vorgestellt, außerdem werden Angaben zur Gestaltung der Betreuung gemacht. Hierbei handelt es sich keineswegs um gesicherte Zusagen. Das vorgestellte Modell ist mit den Worten „Mögliches Konzept (Bsp.)“ überschrieben. Auf die dort gemachten Angaben zur Qualität werden die Eltern sich nicht berufen können.

Die falschen Informationen, die durch die Elternvertreter aufgrund der Fehlinformation durch den Schulleiter an die Elternschaft weitergegeben wurden, werden nicht richtig gestellt.
Stattdessen wird im Anschreiben zur Umfrage erneut der Eindruck erweckt, die Einführung der Ganztagsschule an der Hofherrnschule sei unausweichlich und ein Beschluss der Stadt Aalen. Vergleichen Sie dazu auch die Informationen des Kultusministeriums zur Einführung der Ganztagsschule.

20. Juni 2014
Aus der Protestbewegung der Eltern an der Hofherrnschule gründet sich der Verein „Gute Grundschule Aalen“. Der Verein hat das Anliegen, die Eltern in Aalen und an der Hofherrnschule über das Thema Ganztagsschule umfassend zu informieren und möchte eine breite Diskussion zum Thema Ganztagsschule und Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf anstoßen.
Der Verein sieht die Einführung der Ganztagsschule (so, wie sie in Aalen geplant ist) als eine erhebliche Verschlechterung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

24. Juni 2014
Das zweite Treffen im Rathaus findet statt. Beteiligt sind Vertreter der Stadt Aalen, die Schulleitung der Hofherrnschule sowie Vertreter der Eltern. Den Eltern wird ein „Angebot“ der Stadt Aalen unterbreitet. Die Eltern werden in naher Zukunft zu dem Angebot Stellung nehmen.

25. Juni 2014
Elternabend im Hort: Die anwesenden Eltern werden über die Ereignisse informiert. Es findet eine Abstimmung zum weiteren Vorgehen statt. Das „Angebot“ der Stadt Aalen wird diskutiert.

22./ 26. Juni 2014
brief
Bitte auf Bild klicken, um den Brief an den Gemeinderat zu lesen.

Der neugegründete Verein „Gute Grundschule Aalen“ versendet ein Schreiben an die Mitglieder des Gemeinderats der Stadt Aalen. Die Eltern informieren darin über ihre Bedenken zur Ganztagsschule.
Am 26. Juni 2014 kommt der Brief in der Gemeinderatssitzung zur Sprache.